Philosophie des Lebens

Nachdem ich für einige Zeit die Philosophie verlassen hatte, welche mein Leben während meiner Tübinger Studienzeit dominierte, begann ich in Mexiko mich wieder mit den grundlegenden Fragen zu beschäftigen. Warum sind wir? Was sind wir? Wie sind wir?

Während meines Studiums war ich sehr beeinflusst von der Phänomenologie, insbesondere von Husserl und dem jungen Heidegger, als auch von den französischen Existenzialisten. Seit meiner Rückkehr zur Philosophie sind die Einflüsse auf mich weniger geworden. Anstatt die Gedanken anderer Menschen nachzuverfolgen, verfiel ich mehr dazu selbst zu Denken. Nachdem ich einigen Weg des Denkens beschritten hatte, bemerkte ich, dass meine Erkenntnisse denen des späten Heideggers ähnelten. Auch die fernöstliche Philosophie des Zen-Buddhismus steht in einer gewissen Nähe zu meinem Denken.

Ich persönlich würde mich momentan als einen nicht überzeugten Philosophen des Lebens bezeichnen. Nicht überzeugt, da ich sicherlich nicht am Ende des Weges des Denkens angelangt bin (falls das je möglich ist), und daher der Fragwürdigkeit meiner momentanen Überlegungen bewusst bin. Philosoph des Lebens ist schwerer zu erklären.

In wenigen Worten:
Von der Phänomenologie kommend, beschäftigte ich mich zuerst mit den ersten Dingen: Den Impressionen, Phänomenen – dem was man sieht. (Philosophie beinhalten sowohl das Denken über die letzten wie die ersten Dinge)

Blicken wir auf folgendes Phänomen:

Ähnliches Foto

Das ist:
– Eine Erinnerung an meine erste Liebe. Es war Frühling, die Kirschblüten blühten, und sie trug ein rotes Kleid.
– Plastikblumen. Warum kaufen die Leute all diesen Plastik? Wenn sie echt wären, würde dieser Strauss gut aussehen. Aber so ist es ein billiges Imitat ohne Stil.
– Schöne Blumen. Ich liebe Pink. Ich wünschte ich hätte mehr pinke Sachen.
– Blumen in einer Vase. Ist es nicht fantastisch, wie sie fast echt aussehen? Und ich wette, sie kommen aus China und kosten weniger als 5 $. Erstaunlich, was heute Technologie leisten kann.
– PLASTIK. KUNSTSTOFF. PLASTIK. Und dann schwimmen sie auf dem Ozean und töten Fische. Wie viel schneller wollen die Menschen denn diesen Planeten noch zerstören?
– Plastik ist ein Material, das aus einem breiten Spektrum synthetischer oder halbsynthetischer organischer Verbindungen besteht, die formbar sind und zu festen Objekten geformt werden können. Faszinierend wie weit wir gekommen sind. Stellen Sie sich vor, wie sich das Leben in den letzten hundert Jahren verändert hat. Wir haben die Welt erobert.
– Das sind Kirschblüten: In Japan, eine Metapher für die vergängliche Natur des Lebens.
– Plastikblumen. Wenigstens töteten sie für ihre Belustigung keine echten Blumen und ließen sie nach einigen Wochen sterben, bevor sie ihre Rolle in der Natur als Göttin für Bienen und Vögel spielen konnten. Trotzdem tötet all dieser Kunststoff die Natur.

Diese Aussagen sind alle wahr (zumindest für einige von uns). Es ist wichtig zu verstehen, dass es nicht so ist, dass es das Ding hinter all diesen Interpretationen gibt, die wir damit verbinden können. Eine wahre Wahrheit, die dahinter steckt. (Zumindest in dem Moment, in dem wir die Blumen betrachten und die Erinnerung an unsere erste Liebe aufkommt, das sind sie für uns. Und genau das sehen wir.) Deshalb sehen verschiedene Menschen Verschiedenes, wenn sie gleichzeitig dasselbe Ding anschauen (ich will nicht Objekt sagen – denn das ist nur eine andere Art Dinge zu sehen … Wie die ganze moderne physische Sichtweise von Materie.)

Ich möchte hier nicht näher auf dieses Thema eingehen. Aber ich begann die Relativität der Welten zu verstehen. Wie (aus irgendeinem Grund, der hier nicht diskutiert wird) Menschen ganz andere Dinge sehen, wenn sie etwas betrachten. Und es unterscheidet sich nicht nur das, was sie sehen, sondern auch ihre Gefühle gegenüber Dingen (oder Handlungen). Einige der obigen Bemerkungen implizieren eine Vorliebe für die Plastik-Kirschblüten in einer Vase, andere zeigen deutlichen Ekel.

Die Relativität von Welten, dass Nichts dahinter, lässt einen fragen ob es eine wahre Natur der Dinge (des Seins) gibt, oder ob alle Welten die gleiche (nämlich keine) Wahrheit in sich tragen.

An diesem Punkt divergieren der Buddhismus, Heidegger, und ich. Heidegger geht über zu dem Wohnen in der Sprache (Siehe Georges Gedicht „Das Wort“). Der Zen-Buddhist Keiji Nishitani und andere sagen, dass es das wahre Sein gibt. Ich habe dieses zumindest noch nicht gefunden.

Meine momentane Position ist unausgereift wie es wohl auf dem Weg des Lebens sein muss. Das Wort als die erste Kategorisierung ist wohl der erste Schritt hin zu einem instrumentalisierenden Menschen. Welche sehr viele Errungenschaften mit sich brachte. Jedoch auch den Menschen in eine große Distanz setzte zu den Dingen, welche uns lediglich als Material erscheinen was dominiert und instrumentalisiert werden kann.

Ohne auf die Frage einzugehen, ob es gut ist tote Materie (wie Wasser und Gestein) zu instrumentalisieren, ist es für mich klar, dass die Instrumentalisierung von lebenden Dingen nicht gut ist. Pflanzen, Tiere, und andere Lebensformen lediglich auf ihre Nützlichkeit für uns hin betrachten, ist für mich genauso als wenn ich andere Menschen nur auf ihre Nützlichkeit fur mich betrachten würde (leider sind viele Menschen wohl an diesem Punkt angelangt). Dies ist natürlich wieder gesehen von meiner Welt aus.

In einem logisch philosophischen Schritt versuche ich sodann Welten zu vergleichen. Mithin geht es um das Experiment des Veil of Ignorance. Wenn ich nicht weiß, in welche Welt ich geboren werde, gibt es dann Welten, welche ich den anderen vorziehe?

Es scheint intuitiv, dass die Welt der Nazis keine gute war.

Mithin scheint es mir so, dass nicht alle Welten vergleichbar sind, mithin zwischen vielen Welten, die Frage nach der „besseren“ Welt unbeantwortbar ist. Jedoch scheint es einige Welten zu geben, welche als schlechter bezeichnet werden koennen. Der Grund hierfür liegt meiner Einschätzung darin, dass es sich um Welten handelt, die andere Welten nicht existieren lassen wollen, sondern zerstören.

Als Beispiel darf Folgendes gelten: Stellen wir uns 2 fiktive monotheistische Religionen vor. Sie gleichen einander bis auf 2 Sachen: Religion A verehrt Gott A, Religion B verehrt Gott B. Religion A sagt dass Andersgläubige vernichtet werden müssen, Religion B sagt dass Andersgläubige bemitleidet werden müssen. Hinter dem veil of ignorance (wenn Menschen nicht wissen, in welcher Welt sie sein werden) erscheint es intuitiv dass alle Menschen Religion B Religion A vorziehen. Als Andersgläubiger wird man nicht vernichtet.

Nach dieser metaphysischen Analyse möchte ich noch festhalten, dass meine eigene Philosophie ist, dass alle Formen des Lebens gleich sind. Nichts als verschiedene Vertreter der gleichen Sache. Reflexionen in einem Spiegel. Und wie könnte ich sie dann anders behandeln oder respektieren, als ich mich selbst respektiere und behandle?