Truck Conversion

Ich versuche ein Generalist, Minimalist, und nachhaltig zu sein.

Generalist: Das Gegenteil von Spezialist. Die Ausuebung unserer menschlichen Faehigkeiten fuehrt nicht nur zu einer gesteigerten Produktivitaet, sondern auch zu einem vollstaendigeren Verstehen von Welt, Leben, und der menschlichen Natur. Darueber hinaus fuehrt die Erlernung von neuen Faehigkeiten auch zu groesserem Vergnuegen in ihrer Ausuebung. Niemand kann eine Taetigkeit geniessen, wenn er sie nicht ausuebt. Zudem habe ich einen grossen Drang nach Verstaendnis – von allem. Wie Einstein einst sagte: „Jeder Tor kann etwas wissen. Es geht darum, Dinge zu verstehen.“ Das Warum ist immer entscheidend.

Minimalist: Ich mag dieses Wort nicht, da es das Gegenteil von Maximierer ist – und damit den selben Ursprung hat. Ich glaube jeglicher Fokus auf Maximierung (oder Minimierung) ist eigentlich nicht worum es geht – Leben. Wir sollten nicht immer mehr wollen und uns danach richten – eine traurige Konsequenz des individualistischen und hedonistischen Blicks auf unser eigen Sein. Ich versuche mich in Harmonie mit dem mich umgebenden nicht-menschlichen Leben zu befinden. Durch meine Arbeit als VWL-Professor habe ich leider verstanden, dass unser momentaner Blick auf das Leben und das Sein – zusammen mit unserem momentanen, anarchistischen Wirtschaftssystem – zu einem Konsumexzess bei Menschen fuehrt (sei es bei Urlaub, Mode, Geld verdienen), welcher zur Zerstoerung von Millionen von Spezies fuehrt – mit den selben Rechten wie wir Menschen.

Nachhaltig: Ich versuche ein bewusstes und nachhaltiges Leben zu fuehren. Der Grossteil unserer Umweltzerstoerung wird durch unser uebertriebenes Konsumverhalten bewirkt. Seien es Urlaubsreisen, neue Autos, Schuhe oder Kleidung, Essen und Trinken, elektronische Geraete…. Fuer die meisten, ist dies eine unbemerkte Konsequenz unserer massiven Arbeitsproduktivitaet und Arbeitszeit – wir haben einfach das Einkommen, also geben wir es aus.
Ich verzichte daher auf eine neue Wohnung oder Haus, mobil oder immobil – sondern kaufte mir einen alten Polizeitruck und baute ihn in mein autarkes Heim um. Viele denken jetzt wahrscheinlich an den Spritverbrauch und die CO2-Emissionen – und die Kosten fuer die Natur. Jedoch habe ich mein Heim nicht gebaut um zigtausend Kilometer jedes Jahr zu fahren und „die Welt zu sehen“. Sondern es ist mein Heim um nachhaltig in der Natur stehen zu koennen – und alle paar Wochen ein paar Kilometer weiter zu fahren um niemanden zu stoeren.
Nebenbeibemerkt: Die CO2 Emissionen bei der Produktion eines neues Autos (SUV) entsprechen ungefaehr dem Spritverbrauch auf 100.000km von meinem Truck.

Auf dieser Seite stelle ich Bilder und Kommentare zu meinem Umbau vor. Ich muss zugeben, dass ich ein wenig stolz bin. Mein akademischer Hintergrund vermittelte mir leider keinerlei Vorwissen oder Verstaendnis der Thematik. Und dennoch schaffte ich es, den Truck allein mit allem Drum und Dran umzubauen. So kann ich auch alles selbst reparieren, falls mal Probleme anfallen. (Hier kommt wieder meine Vorliebe zum Generalisten zum Vorschein. Nicht ueberaschend war Leonardo da Vinci mein grosses Vorbild in der Jugend.)

Das ist mein Truck: Ein Mercedes 917 4×4 (zuschaltbar wegen Spritverbrauch). Das richtige Auto um in den entlegenen, unbewohnten Gegenden unserer Erde zu verweilen.

This is my truck. A Mercedes 917 4×4. The right car to live in the remote, pristine parts of this planet.

Das original Interieur sieht nicht sonderlich ansprechend aus. Aber was kann man erwarten von einem Polizeiwagen – sie waren nie bekannt fuer ihre unglaubliche Schoenheit 😉

 

Zuerst musste ich alles hinten ausbauen: Verkleidung, Isolation, alle Kleinteile welche noch uebrig waren aus seine Zeit als Funkwagen (leider war keine fancy Polizeiausruestung mehr drinnen – glaubt mir, ich hab alles mehrfach gecheckt ;)).

Dann durfte ich zum ersten Mal in meinem Leben mit der Flex hantieren. Zugegeben war ich nervoeser als beim Anblick einer Differentialgleichung hoeherer Ordnung. Aber am Ende ist beides dasselbe – logisch… Das Problem war, dass mein Polizeiwagen urspruenglich 2 Abteile fuer 20m und 40m hohe Funkantennen hatte. Und waehrend ich die weiteren Aussentueren gebrauchen konnte – mussten die inneren Abteile weg…

Nicht wenig ueberaschend, hatte die Zeit ihre Spuren hinterlassen. Rost ist ein natuerlicher Prozess, der Metall mit der Zeit in chemisch stabilere Verbindungen zerfallen laesst, Oxide, Hydroxide, etc.. Dennoch will man nicht, dass sein Heim mit der Zeit sich in Luft aufloest, weil das ein stabilerer Zustand ist;) Daher muss man dem entgegenwirken, damit mein Heim auch in einigen Jahren noch stabil ist. (Ehrlich gesagt glaube ich dass ich in ein oder zwei Jahrzehnten meinen Truck nochmal dementsprechend ueberarbeiten muss.)

 

Ich entschied mich fuer eine Kombination aus Rostumwandlung und Rostschutz nach vielen Stunden Recherche und Studium der Thematik (ich koennte mittlerweile fast eine Doktorarbeit zu diesem und anderen Themen des Umbaus verfassen). Es ist entscheidend zu verstehen was Rost ist, und unter welchen Umstaenden er vorkommt, um den LKW so umzubauen, dass diese Szenarien vermieden werden koennen und die Chance fuer weitere Rostbildung zu minimieren.

Nachdem ich meinen LKW mit mehreren Lagen rostschuetzender Materialien, Farben und Oelen bearbeitet hatte, sah er von innen so aus:

Danach musste ich erstmal noch eine Klappe bauen, um meine Bilder von aussen erreichen zu koennen. Ich will sie in meiner Naehe wissen, jederzeit erreichbar, aber gleichzeitig kann ich gerne auf den Geruch frischer Oelfarbe beim schlafen verzichten.

 

Die Isolation war das naechste grosse Thema. Viele Stunden Recherche ueberzeugten mich, dass hoch-effiziente thermische Isolation Sinn macht, und auch gut in die vorhandene Stahlverstrebung passt. (Ich weiss, es ist nicht das nachhaltigste Material, aber meine Stahlverstrebung und die Fenster sorgen fuer soviele Kaeltebruecken, dass ich einen Kompromiss eingehen musste).

 

Dann war ich endlich in der Lage mit meinem Lieblingsmaterial zu arbeiten: Holz.

 

Kaum ist ein wenig Holz im LKW, sieht alles schon viel schoener aus.

 

Das erste Moebelstueck kam als naechstes an die Reihe: Die Basis fuer das Bett/Couch. darunter soll viel Platz fuer Bilder sein, und – ebenfalls von aussen erriechbar Farben. Ebenfalls gibt es eingebaute Luefter, welche die Bilder schneller trocknen lassen.

Gleichzeitig mussten die ersten elektrischen Kabel verlegt werden (auf dem Boden sind die weissen Kabelkanaele erkennbar). Hier musste ich zum ersten Mal Elektrik im Detail studieren, ein weiteres Gebiet wo Verstaendnis eine voellig neue Welt eroeffnet jenseits von Steckern und Steckdosen…

Die Kueche kam als naechstes an die Reihe. Das Gestell musste ich direkt im Truck bauen, die Oberflaeche in der Garage zuerst:

 

Langsam aber sicher nahm alles Gestalt an.

Das Interior des Bettes wurde mit geruchsdichter fluessigem Dichtmittel bestrichen – diffusionsoffen wird diffusionsdicht und haelt Oelgeruch im Bilderkasten.

And, finally, the bed starts to look like a bed 😉

Als Naechstes mussten die Heizungsrohre unter dem Esstischpodest verlegt werden – fuer warme Fuesse in kalten Naechten, und gleichmaessige Waermeverteilung im Truck.

Das Gasfach – es braucht auch einen dichten Anstrich um Gas vom Innenraum fernzuhalten. Zudem ein Loch im Boden, damit das Gas entweichen kann, welches schwerer als Luft ist. Zur Sicherheit gibt es zudem noch einen Gaswarner.

Einer der wichtigsten Orte in jedem Heim ist die Toilette. Sie muss bequem sein, und wie vieles bei mir mehrere Funktionen erfuellen. Natuerlich ist es eine Komposttoilette ohne Wasser fuer maximale Nachhaltigkeit.
Viele denken jetzt wohl, in meinem LKW stinkt es ziemlich mit der Komposttoilette mitten im Raum… Jeder, der mich besuchte, ist fasziniert von der Toilette. Kein Geruch, weniger als in einem normalen Bad. Fluessige Dichtfolie macht den Kasten zum Raum hin dicht – und eine PC Luefter laeuft 24/7 und verabschiedet jeglichen Geruch. Ich liebe mein Klo ;))  Bald nahm auch der Essbereich Gestalt an.

 

 

 

Elektrik war meine Achillesferse am Anfang. Mein Berg des Sisyphus. Aber, Internet und ein analytischer Verstand koennen auch dieses Thema loesen – das Internet ist schon eine faszinierende Erfindung, leider fast ausschliesslich fuer nutzlose (um nicht zu sagen schaedliche) Dinge verwadnt. KAUFEN, KAUFEN, KAUFEN, WOLLEN, WOLLEN, WOLLEN…

Ich muss mich bei Volker bedanken, der mir gegen Ende des Ausbaus mit Tipps und Anregungen zur Seite stand bei der Installation der grossen Elektrogeraete (Solarpaneel, 230V Konverter, etc.). Oft bedarf es nur einiger Worte der Aufmunterung und des Zuspruches damit ein Mensch Baeume versetzen kann.

Endlich sah die Toilette wie ein Stuhl aus, und der Essbereich machte auch was her. Nur die Vorhaenge fehlten noch.

Als die letzten Moebel gesetzt waren, konnte ich den Boden isolieren, und einen Korkboden darauf verlegen. Auch das Bett bekam 2,5cm Kork ab, fuer die Isolation, den Komfort, das Wohnklima, und die Feuchtigkeitsregulierung. (Kork ist unglaublich. Es kann Temperatur und Feuchtigkeit ausgleichen, nimmt Fluessigkeit auf um sie wieder abzugeben. Das Verstaendnis verschiedener Materiale und ihrer Eigenschaften war ein anderer toller Teil des Ausbaus. Und auch hier zeigte sich – Natur schlaegt kuenstliche Materialien wie Plastik – was sowieso keine Option war wegen der Umwelt.)

Der Rest war dann scchon fast ne Kleinigkeit…

The curtains, the shower, …
The nightstand (coloring with pigments and oil allows you to do so much), the matrass…
The sink, the stove…

Ich will Euch jetzt auch nicht weiter mit Fotos meines Ausbaus nerven. Es werden sich sowieso noch ein paar Dinge aendern… Aber ich hab mein autarkes Heim geschaffen – mit Kueche, fliessendem Wasser, Dusche, Klo, Gas, Heizung, Elektrik (12V und 230V), Solar, Markise, Platz fuer Bilder, Garage fuer Tisch und Stuehle sowie Staffelei – fuer ein Leben off-grid fuer ein paar Wochen (bis das Wasser ausgeht).

Ich bin super happy mit meinem Truck und Heim!!