Wer ist ICH? Wer sind WIR?

Wer sind wir? Was definiert uns? Was macht UNS zu UNS im Vergleich zu den anderen??

Erster Versuch:
Ich bin WIR. Klar, ich bin ich. Und wer nicht ich bin, sind wir nicht. Ihre Welten sind anders, ich kann nicht fühlen, was sie fühlen. Daher sind sie nicht ich. Und sie sind nicht wir.
Warum erweitern wir dann die Rechte und Pflichten, die wir uns selbst auferlegen, auf andere? Warum habe ich das Gefühl, dass meine Familie, Freunde usw. die gleichen Rechte verdienen, die ich verdiene? Durch die Ausweitung dieser Rechte (und Pflichten) auf andere wird klar, dass ich nicht wir bin. Ich bin ein Teil von WIR. Aber ich definiere nicht das ganze WIR.

Zweiter Versuch:
Meine Familie (und evtl. Freunde) sind wir. Klar, ich bin ein Teil von uns. Meine Familie ist die Erweiterung von mir selbst, und ich dehne auf sie die Rechte aus, die ich für mich haben möchte.
Warum erweitere ich die Rechte noch einmal auf Freunde und manchmal auch auf Fremde? Warum fühle ich mich oft schlecht, wenn ich diese Rechte nicht auf jemanden ausweite? Was sollte das entscheidende Kriterium sein, wenn WIR Familie ist? Die Definition von WIR: „Zugehörigkeit zur Familie Strauss“. Warum nicht eine andere Familie? Die bloße Willkür dieser Definition von WIR läßt mich zittern.

Dritter (und vierter bis zehnter) Versuche:
Meine Nation ist WIR. (Meine Religion ist WIR. Meine Hautfarbe ist WIR. Meine Region ist WIR. Mein Geschlecht ist WIR. Meine politische Partei ist WIR. Meine soziale Klasse ist WIR. Meine Blutgruppe ist WIR.)
Dies sind alles Erweiterungen des Konzeptes ICH um einige Menschen, die bestimmte Eigenschaften mit mir teilen. In jeder dieser Definitionen sind die anderen uns sehr ähnlich. Wird jemand zu uns, wenn er in meine Region zieht? Oder zu meiner Religion konvertiert? Andererseits, verliert jemand den Status von WIR wenn er aus meiner Region wegzieht?

Elfter Versuch:
Die ganze Menschheit sind WIR.
Dies scheint eine vernünftige Annahme zu sein, immun gegen alle Einwände, die frühere Definitionen von uns verlangten. Was ist jedoch das entscheidende Kriterium?
Bewusstsein? Was würden wir über einen Menschen sagen, der nicht bei Bewusstsein ist? Wären er nicht WIR? Ein Mensch, der wie wir geht, atmet wie wir, redet wie wir, fühlt wie wir. Aber all diese Dinge unbewusst tun. Würde er aufhören WIR zu sein? Würden wir auf ihn nicht die gleichen Menschenrechte anwenden? Wenn wir bedenken, dass der Grad des Bewusstseins unter den Menschen variiert, und wir selbst oft unbewusst handeln, erscheint das Kriterium Bewusstsein falsch.
Die Fähigkeit, Schmerz und Freude zu fühlen? Was würden wir über einen Menschen sagen, der weder Schmerz noch Freude empfinden kann? Würde er aufhören, WIR zu sein? Würden wir verschiedene Gesetze auf ihn anwenden? Viele Menschen erleben Schmerz und Freude sehr unterschiedlich. Ein Mensch unfähig zur Freude, würde uns wohl leid tun. Jedoch nicht aufhören die selben Rechte zu geniessen.
Am Leben sein? Was würden wir über einen Menschen sagen, der nicht lebt? Würde er aufhören, WIR zu sein? Hören wir auf, die gleichen Rechte auf eine Person auszudehnen, die nicht mehr lebtt? Scheinbar…… Was bedeutet das im Umkehrschluss?

Zwölfter Versuch:
Alles Leben ist WIR.