{"id":98,"date":"2018-10-28T18:58:23","date_gmt":"2018-10-28T18:58:23","guid":{"rendered":"https:\/\/davidstrauss.site\/?page_id=98"},"modified":"2018-11-01T15:47:54","modified_gmt":"2018-11-01T15:47:54","slug":"philosophie-des-lebens","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/davidstrauss.site\/?page_id=98","title":{"rendered":"Philosophie des Lebens"},"content":{"rendered":"\n<p>Nachdem ich f\u00fcr einige Zeit die Philosophie verlassen hatte, welche mein Leben w\u00e4hrend meiner T\u00fcbinger Studienzeit dominierte, begann ich in Mexiko mich wieder mit den grundlegenden Fragen zu besch\u00e4ftigen. Warum sind wir? Was sind wir? Wie sind wir?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend meines Studiums war ich sehr beeinflusst von der Ph\u00e4nomenologie, insbesondere von Husserl und dem jungen Heidegger, als auch von den franz\u00f6sischen Existenzialisten. Seit meiner R\u00fcckkehr zur Philosophie sind die Einfl\u00fcsse auf mich weniger geworden. Anstatt die Gedanken anderer Menschen nachzuverfolgen, verfiel ich mehr dazu selbst zu Denken. Nachdem ich einigen Weg des Denkens beschritten hatte, bemerkte ich, dass meine Erkenntnisse denen des sp\u00e4ten Heideggers \u00e4hnelten. Auch die fern\u00f6stliche Philosophie des Zen-Buddhismus steht in einer gewissen N\u00e4he zu meinem Denken.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich pers\u00f6nlich w\u00fcrde mich momentan als einen nicht \u00fcberzeugten Philosophen des Lebens bezeichnen. Nicht \u00fcberzeugt, da ich sicherlich nicht am Ende des Weges des Denkens angelangt bin (falls das je m\u00f6glich ist), und daher der Fragw\u00fcrdigkeit meiner momentanen \u00dcberlegungen bewusst bin. Philosoph des Lebens ist schwerer zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>In wenigen Worten: <br>Von der Ph\u00e4nomenologie kommend, besch\u00e4ftigte ich mich zuerst mit den ersten Dingen: Den Impressionen, Ph\u00e4nomenen &#8211; dem was man sieht. (Philosophie beinhalten sowohl das Denken \u00fcber die letzten wie die ersten Dinge)<\/p>\n\n\n\n<p>Blicken wir auf folgendes Ph\u00e4nomen:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ae01.alicdn.com\/kf\/HTB1hHRORVXXXXbnXVXXq6xXFXXXz.jpg\" alt=\"\u00c4hnliches Foto\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Das ist: <br>&#8211; Eine Erinnerung an meine erste Liebe. Es war Fr\u00fchling, die Kirschbl\u00fcten bl\u00fchten, und sie trug ein rotes Kleid. <br>&#8211; Plastikblumen. Warum kaufen die Leute all diesen Plastik? Wenn sie echt w\u00e4ren, w\u00fcrde dieser Strauss gut aussehen. Aber so ist es ein billiges Imitat ohne Stil. <br>&#8211; Sch\u00f6ne Blumen. Ich liebe Pink. Ich w\u00fcnschte ich h\u00e4tte mehr pinke Sachen. <br>&#8211; Blumen in einer Vase. Ist es nicht fantastisch, wie sie fast echt aussehen? Und ich wette, sie kommen aus China und kosten weniger als 5 $. Erstaunlich, was heute Technologie leisten kann. <br>&#8211; PLASTIK. KUNSTSTOFF. PLASTIK. Und dann schwimmen sie auf dem Ozean und t\u00f6ten Fische. Wie viel schneller wollen die Menschen denn diesen Planeten noch zerst\u00f6ren? <br>&#8211; Plastik ist ein Material, das aus einem breiten Spektrum synthetischer oder halbsynthetischer organischer Verbindungen besteht, die formbar sind und zu festen Objekten geformt werden k\u00f6nnen. Faszinierend wie weit wir gekommen sind. Stellen Sie sich vor, wie sich das Leben in den letzten hundert Jahren ver\u00e4ndert hat. Wir haben die Welt erobert.<br>&#8211; Das sind Kirschbl\u00fcten: In Japan, eine Metapher f\u00fcr die verg\u00e4ngliche Natur des Lebens.<br>&#8211; Plastikblumen. Wenigstens t\u00f6teten sie f\u00fcr ihre Belustigung keine echten Blumen und lie\u00dfen sie nach einigen Wochen sterben, bevor sie ihre Rolle in der Natur als G\u00f6ttin f\u00fcr Bienen und V\u00f6gel spielen konnten. Trotzdem t\u00f6tet all dieser Kunststoff die Natur.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Aussagen sind alle wahr (zumindest f\u00fcr einige von uns). Es ist wichtig zu verstehen, dass es nicht so ist, dass es das Ding hinter all diesen Interpretationen gibt, die wir damit verbinden k\u00f6nnen. Eine wahre Wahrheit, die dahinter steckt. (Zumindest in dem Moment, in dem wir die Blumen betrachten und die Erinnerung an unsere erste Liebe aufkommt, das sind sie f\u00fcr uns. Und genau das sehen wir.) Deshalb sehen verschiedene Menschen Verschiedenes, wenn sie gleichzeitig dasselbe Ding anschauen (ich will nicht Objekt sagen &#8211; denn das ist nur eine andere Art Dinge zu sehen &#8230; Wie die ganze moderne physische Sichtweise von Materie.)<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte hier nicht n\u00e4her auf dieses Thema eingehen. Aber ich begann die Relativit\u00e4t der Welten zu verstehen. Wie (aus irgendeinem Grund, der hier nicht diskutiert wird) Menschen ganz andere Dinge sehen, wenn sie etwas betrachten. Und es unterscheidet sich nicht nur das, was sie sehen, sondern auch ihre Gef\u00fchle gegen\u00fcber Dingen (oder Handlungen). Einige der obigen Bemerkungen implizieren eine Vorliebe f\u00fcr die Plastik-Kirschbl\u00fcten in einer Vase, andere zeigen deutlichen Ekel.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Die Relativit\u00e4t von Welten, dass Nichts dahinter, l\u00e4sst einen fragen ob es eine wahre Natur der Dinge (des Seins) gibt, oder ob alle Welten die gleiche (n\u00e4mlich keine) Wahrheit in sich tragen.<\/p>\n\n\n\n<p>An diesem Punkt divergieren der Buddhismus, Heidegger, und ich. Heidegger geht \u00fcber zu dem Wohnen in der Sprache (Siehe Georges Gedicht \u201eDas Wort\u201c). Der Zen-Buddhist Keiji Nishitani und andere sagen, dass es das wahre Sein gibt. Ich habe dieses zumindest noch nicht gefunden.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Meine momentane Position ist unausgereift wie es wohl auf dem Weg des Lebens sein muss. Das Wort als die erste Kategorisierung ist wohl der erste Schritt hin zu einem instrumentalisierenden Menschen. Welche sehr viele Errungenschaften mit sich brachte. Jedoch auch den Menschen in eine gro\u00dfe Distanz setzte zu den Dingen, welche uns lediglich als Material erscheinen was dominiert und instrumentalisiert werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne auf die Frage einzugehen, ob es gut ist tote Materie (wie Wasser und Gestein) zu instrumentalisieren, ist es f\u00fcr mich klar, dass die Instrumentalisierung von lebenden Dingen nicht gut ist. Pflanzen, Tiere, und andere Lebensformen lediglich auf ihre N\u00fctzlichkeit f\u00fcr uns hin betrachten, ist f\u00fcr mich genauso als wenn ich andere Menschen nur auf ihre N\u00fctzlichkeit fur mich betrachten w\u00fcrde (leider sind viele Menschen wohl an diesem Punkt angelangt). Dies ist nat\u00fcrlich wieder gesehen von meiner Welt aus.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem logisch philosophischen Schritt versuche ich sodann Welten zu vergleichen. Mithin geht es um das Experiment des Veil of Ignorance. Wenn ich nicht wei\u00df, in welche Welt ich geboren werde, gibt es dann Welten, welche ich den anderen vorziehe?<\/p>\n\n\n\n<p>Es scheint intuitiv, dass die Welt der Nazis keine gute war.<\/p>\n\n\n\n<p>Mithin scheint es mir so, dass nicht alle Welten vergleichbar sind, mithin zwischen vielen Welten, die Frage nach der &#8220;besseren&#8221; Welt unbeantwortbar ist. Jedoch scheint es einige Welten zu geben, welche als schlechter bezeichnet werden koennen. Der Grund hierf\u00fcr liegt meiner Einsch\u00e4tzung darin, dass es sich um Welten handelt, die andere Welten nicht existieren lassen wollen, sondern zerst\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p> Als Beispiel darf Folgendes gelten: Stellen wir uns 2 fiktive monotheistische Religionen vor. Sie gleichen einander bis auf 2 Sachen: Religion A verehrt Gott A, Religion B verehrt Gott B. Religion A sagt dass Andersgl\u00e4ubige vernichtet werden m\u00fcssen, Religion B sagt dass Andersgl\u00e4ubige bemitleidet werden m\u00fcssen. Hinter dem veil of ignorance (wenn Menschen nicht wissen, in welcher Welt sie sein werden) erscheint es intuitiv dass alle Menschen Religion B Religion A vorziehen. Als Andersgl\u00e4ubiger wird man nicht vernichtet.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Nach dieser metaphysischen Analyse m\u00f6chte ich noch festhalten, dass meine eigene Philosophie ist, dass alle Formen des Lebens gleich sind. Nichts als verschiedene Vertreter der gleichen Sache. Reflexionen in einem Spiegel. Und wie k\u00f6nnte ich sie dann anders behandeln oder respektieren, als ich mich selbst respektiere und behandle?<br><\/p>\n\n\n<p><!--EndFragment--><\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem ich f\u00fcr einige Zeit die Philosophie verlassen hatte, welche mein Leben w\u00e4hrend meiner T\u00fcbinger Studienzeit dominierte, begann ich in Mexiko mich wieder mit den grundlegenden Fragen zu besch\u00e4ftigen. Warum sind wir? Was sind wir? Wie sind wir? W\u00e4hrend meines Studiums war ich sehr beeinflusst von der Ph\u00e4nomenologie, insbesondere von Husserl und dem jungen Heidegger, als auch von den franz\u00f6sischen Existenzialisten. 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